Die Wassergeburt ist für viele Frauen eine bewusste Entscheidung für eine ruhige, selbstbestimmte Geburt. Das warme Wasser kann entspannen, Schmerzen lindern und den Geburtsverlauf positiv beeinflussen. Gleichzeitig ist es wichtig, gut informiert zu sein und realistische Erwartungen zu haben.
Dieser Artikel gibt einen sachlichen Überblick über Chancen, Voraussetzungen und Grenzen der Wassergeburt.
Von einer Wassergeburt spricht man, wenn das Kind im warmen Wasser geboren wird. Doch eine natürliche Geburt ist ein Prozess voller Bewegung und Fluss. Positionen, Bedürfnisse und Kräfte wechseln ständig. Es gibt Frauen, die möchten während der ganzen Geburt in der Wanne bleiben, und es gibt Frauen, die im mehrstündigen Geburtsprozess immer wieder in die Wanne hinein- und wieder hinausgehen. Nicht jede Geburt im Wasser endet automatisch als Wassergeburt. Doch der Nutzen von warmem Wasser unter der Geburt ist unbestritten.
Das warme Wasser wirkt auf mehreren Ebenen unterstützend:
Viele Frauen berichten von einem gesteigerten Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung.
Nicht jede Schwangerschaft eignet sich für eine Wassergeburt. Zu den typischen Voraussetzungen zählen:
Bestimmte medizinische Situationen schliessen eine Wassergeburt aus. Dazu gehören unter anderem Infektionen, starke Schmerzmittelgabe, Periduralanästhesie oder ein erhöhter Überwachungsbedarf aufgrund von Auffälligkeiten.
Wassergeburten gelten bei den soeben genannten Voraussetzungen und fachlicher Begleitung als sicher. Entscheidend sind:
Eine gute Vorbereitung ist zentral. Dazu gehören:
Geburtsvorbereitungskurse können helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen und Vertrauen in den Geburtsprozess zu entwickeln.
Manchmal zeigt sich unter der Geburt, dass ein Wechsel aus dem Wasser sinnvoll oder notwendig ist. Das ist kein Scheitern, sondern Teil eines flexiblen Geburtsverlaufs. Gerade zu Beginn der Geburt kann es sein, dass das warme Wasser und die verminderte Wirkung der Schwerkraft den Geburtsverlauf verlangsamen und die Wehen nicht mehr wirklich wirkungsvoll sind. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, die Wanne zu verlassen und zum Beispiel Treppen zu steigen, um die Geburt wieder zu aktivieren.
Ebenfalls kann es sein, dass gegen Ende der Geburt ein Wechsel an Land mit der unterstützenden Wirkung der Schwerkraft hilfreich ist, zum Beispiel um den Gebärhocker auszuprobieren. Ziel ist nicht die Wassergeburt um jeden Preis, sondern eine sichere und gute Geburtserfahrung.
Auch für das Kind kann die Geburt im warmen Wasser sanfter sein. Der Übergang vom Fruchtwasser in das Wasser der Gebärwanne ist flüssig und weniger abrupt, was den Stress für das Baby reduziert. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Kinder bei einer Wassergeburt ruhiger und gelassener auf die Welt kommen. Außerdem kann das warme Wasser die Flexibilität des Babys im Geburtskanal unterstützen und den Druck auf den Kopf verringern. Dass Neugeborene nach einer Wassergeburt ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, konnte nie nachgewiesen werden und ist in der Praxis ebenfalls nicht zu erkennen.
Die Wassergeburt kann für viele Frauen eine bereichernde Erfahrung sein. Sie bietet Ruhe, Wärme, Schutz und Selbstbestimmung im natürlichen Geburtsprozess. Entscheidend sind eine individuelle Abklärung, fachliche Begleitung und die Bereitschaft, den Verlauf der Geburt anzunehmen, so wie er sich zeigt.
Eine informierte Entscheidung schafft Vertrauen – in den eigenen Körper und in den Weg der Geburt.