Was steckt dahinter und warum ich sie als Hebamme empfehle
Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit in einem deutschen Geburtshaus. Fast jede Frau, die mit uns ihre Geburt vorbereiten wollte, bekam denselben Tipp mit auf den Weg: die Louwen-Diät. Anfangs war ich skeptisch., dass eine spezielle Ernährung in der Schwangerschaft, die Geburten kürzer und weniger schmerzhaft machen soll. Das klang fast zu gut, um wahr zu sein.
Dann kam meine eigene erste Schwangerschaft. Ich habe den Zuckerverzicht vor der Geburt konsequent durchgezogen und meinen Sohn nach nur 6 Stunden im Arm gehalten. An wirklich schlimme Schmerzen kann ich mich kaum erinnern. Natürlich ist jede Geburt individuell und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was genau den Unterschied gemacht hat. Aber ich bin überzeugt: Diese Ernährungsweise hat ihren Anteil daran gehabt.
In der Schweiz ist die Louwen-Diät noch kaum bekannt. Das möchte ich ändern, weshalb ich sie heute in meinen Online-Kursen allen werdenden Mamas ans Herz lege.
Wer ist eigentlich Prof. Dr. Frank Louwen?
Prof. Dr. Frank Louwen ist ein renommierter Arzt an der Universitätsklinik Frankfurt und prägt seit Jahrzehnten die moderne Geburtshilfe. Er ist vor allem für seine Forschung zur aufrechten Geburtsposition bekannt. Die nach ihm benannte Ernährungsempfehlung für Schwangere richtet sich an Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche.
Was darf mein bei der Louwen Diät essen und was nicht?
Die Grundidee ist simpel: Du verzichtest in den letzten vier Wochen vor dem errechneten Termin konsequent auf industriellen Zucker und kurz-kettigen Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index.
Das bedeutet konkret:
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- Weglassen: Haushaltszucker, Süssigkeiten, Weissbrot, weisse Nudeln, polierter Reis und gesüsste Getränke.
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- Essen: Vollkornprodukte, viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige Fette und Eiweiss.
Es handelt sich nicht um eine klassische Diät zum Abnehmen, sondern um einen gezielten biochemischen Impuls, um die Geburt natürlich zu erleichtern.
Der Wirkungs-mechanismus: Wie hilft Zuckerverzicht bei der Geburt?
Damit eine Geburt physiologisch gut voranschreitet, braucht dein Körper zwei Hauptdarsteller: Prostaglandine und Oxytocin.
1. Die Rolle der Prostaglandine
Ab der 35. SSW produziert dein Baby Hormone, die deinen Körper zur Bildung von Prostaglandinen anregen. Diese Stoffe sind essenziell für die Zervixreifung: Sie machen den Muttermund weich und bereiten ihn auf die Öffnung vor.
2. Die Insulin-Hypothese
Hier setzt die Theorie von Prof. Louwen an. Wenn wir Zucker oder Weissmehl essen, schüttet der Körper Insulin aus. Es gibt die wissenschaftliche Hypothese, dass ein dauerhaft hoher Insulinspiegel die Wirkung der Prostaglandine behindert. Die Theorie besagt, dass Insulin und Prostaglandine um ähnliche Andockstellen (Rezeptoren) im Körper konkurrieren. Sind diese durch Insulin „besetzt“, können die Prostaglandine nicht andocken und folglich ihre Aufgabe, den Muttermund „reifen“ zu lassen, nicht effektiv vollziehen Die Folge: Eine längere Latenzphase und „zähere“ Wehen.
3. Oxytocin und das Schmerzempfinden
Oxytocin ist das Hormon, das die Wehen auslöst. Wenn es gut an seine Rezeptoren binden kann, stimuliert es gleichzeitig die Ausschüttung von Endorphinen. Das sind unsere körpereigenen Schmerzmittel. Durch den Zuckerverzicht in der Schwangerschaft bleiben diese Rezeptoren frei von Insulin und sensibel für Oxytocin.
Das bedeutet für dich:
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- Die Wehen arbeiten koordinierter und effektiver.
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- Dein Körper schüttet mehr Endorphine aus.
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- Deine Schmerztoleranz ist höher, da dein natürliches Schmerzmittelsystem optimal funktioniert.
Meine persönliche Extra-Empfehlung: Datteln essen vor der Geburt
Datteln gehören offiziell nicht zur Louwen-Diät, aber ich empfehle die Kombination sehr gerne. Datteln enthalten Stoffe, die dem Östrogen ähneln und so die Bildung der Oxytocin-Rezeptoren fördern können. Da sie aber viel Fruchtzucker enthalten, sind sie quasi die „gesunde Ausnahme“. Warum sie so wertvoll sind, erkläre ich dir ausführlich in meinem Artikel über Datteln am Ende der Schwangerschaft.
Fazit: Ganzheitliche Geburtsvorbereitung
Die Louwen-Diät ist ein wertvoller Baustein, um deinen Körper biochemisch auf die Zielgerade vorzubereiten. Aber eine kraftvolle Geburt ist ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Es geht um Vertrauen in den eigenen Körper, die richtige Atemtechnik, mentales Loslassen und nicht zu letzt auch um die für dich passende Umgebung.
In meiner ganzheitlichen Geburtsvorbereitung online schauen wir uns genau dieses grosse Ganze an. Wenn du dich nicht nur körperlich durch die Ernährung, sondern auch mental stärken möchtest, schau dir gerne mein Kursangebot an. Ich freue mich darauf, dich auf deinem Weg zur selbstbestimmten Geburt zu begleiten!
Dieser Artikel wurde von einer diplomierten Hebamme verfasst und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle medizinische Beratung durch deine persönliche Hebamme oder Ärztin.

