Du bist wieder schwanger? Und irgendwo im Hinterkopf dreht sich diese eine Frage: Geht das diesmal auch natürlich? Dieser Mix aus Hoffnung und Unsicherheit höre ich als Hebamme, sehr oft bei Schwangeren nach Kaiserschnitt heraus. – Die gute Nachricht: Eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt – kurz VBAC (Vaginal Birth After Caesarean) – ist für die meisten Frauen tatsächlich möglich. Und sie ist keine Frage des Glücks, sondern ganz wesentlich eine Frage der Vorbereitung.
VBAC Schweiz – wie sieht die Realität aus?
In der Schweiz kommt heute rund jedes dritte Baby per Kaiserschnitt zur Welt, die Sectio-Rate lag 2023 bei etwa 34 Prozent (BFS). Zum Vergleich: In Deutschland waren es 32,6 %, in Österreich 32,4 %. Der DACH-Raum liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Viele dieser Frauen fragen sich bei der nächsten Schwangerschaft, ob eine vaginale Geburt möglich ist.
Ja, es ist möglich und sogar mit guten Chancen. Die VBAC Erfolgsquote liegt laut Fachliteratur zwischen 60 und 80 Prozent und bei Frauen, die vor dem Kaiserschnitt schon einmal vaginal geboren haben, sogar noch höher. Und trotzdem entscheiden sich in Deutschland rund 66 Prozent der Frauen nach einer Sectio wieder für einen Kaiserschnitt. Nicht weil ihr Körper es nicht könnte. Sondern oft, weil ihnen niemand erklärt hat, was wirklich möglich wäre – und was es dafür braucht.
Vorbereitung verändert alles
Es gibt keine Studie, die sagt: „Wer einen Geburtsvorbereitungskurs besucht, hat garantiert eine VBAC.“ Das wäre auch zu vereinfacht.
Was die Forschung aber klar zeigt, sind die Faktoren, die eine erfolgreiche vaginale Geburt nach Sectio begünstigen: Wissen, emotionale Sicherheit, eine vorteilhafte Kindslage, ein unterstützendes Geburtsteam, das sind genau die Dinge, die meine gezielte Geburtsvorbereitung nach Kaiserschnitt, der VBAC-Kurs in der Fokus stellt. Zufall? Ich glaube nicht.
Die drei Ebenen der VBAC-Vorbereitung
1. Geistige Ebene – Informiere dich und finde dein Team
Wissen ist Sicherheit. Und Sicherheit ist das Gegenteil von Angst.
Wenn du verstehst, wie Wehen funktionieren, was im Körper passiert, welche Rechte du hast und welche Risiken wirklich realistisch sind – dann gehst du ganz anders in die Geburt. Zum Beispiel: Eine Narbenruptur klingt erschreckend. Tatsächlich tritt sie bei einer tiefen Quernarbe in unter einem Prozent der Fälle auf. Das sind Tatsachen, die schwangere Frauen oft erst selbst, in der Internetrecherche herausfinden.
Neben dem Wissen ist auch die Begleitung das A und O. Finde dein Geburtsteam/-ort aktiv. Gerade in der Schweiz unterscheidet sich die VBAC-Freundlichkeit von Spital zu Spital erheblich. Frag konkret nach – wie viele VBACs werden hier jährlich begleitet? Was ist die Haltung des Teams dazu? Diese Fragen fühlen sich vielleicht mutig an, aber sie sind entscheidend. Dein Umfeld unter der Geburt hat massiven Einfluss auf den Ausgang. Auch eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus kann eine Option sein, viele Hausgeburtshebammen schliessen VBACs nicht per so aus.
2. Seelische Ebene – Arbeite auf und empower dich
Das hier ist der Teil, den viele überspringen. Dabei ist er so wichtig.
Ein Kaiserschnitt – egal ob geplant oder ungeplant – hinterlässt etwas. Manchmal Dankbarkeit, manchmal Trauer, manchmal das Gefühl, dass da was unfertig geblieben ist. Manchmal eine Mischung von all dem. Bevor du diese neue Geburt angehen kannst, lohnt es sich, die letzte wirklich anzuschauen. Was war da? Warum ist es so gekommen? Was hat dir gefehlt? Wie fühlst du dich heute damit? Könnte eine Trauma daraus resultiert sein?
Lies positive VBAC-Geburtsberichte. Klingt simpel, wirkt aber tief. Dein Gehirn braucht neue innere Bilder – solche, die zeigen: Das geht. Das ist möglich. Für andere Frauen. Und vielleicht für dich.
Und dann die Glaubenssätze: „Mein Körper hat damals versagt“ – das ist ein Gedanke, kein Fakt. „Mein Körper ist gemacht, ein Kind zur Welt zu bringen“ – das ist näher an der Wahrheit. Wir können unsere Realität selbst erschaffen.
3. Körperliche Ebene – Bewege dich und bereite deinen Körper vor
Dein Körper ist nicht einfach das Vehikel – er ist der Weg.
Regelmäßige Bewegung, Spazierengehen, Schwangerschaftsyoga – das alles hilft dem Baby, in eine gute Lage zu kommen, und dir, den Geburtsprozess kraftvoll durch zu surfen. Dazu kommt eine bewusste Ernährung: ab der 36. Woche zum Beispiel die Louwen-Diät anfangen und für genügen Proteine und Eisen in deinem Essen zu sorgen.
Und etwas, das kaum jemand anspricht: Beckenbodenlösung. Vor der Geburt geht es nicht ums Anspannen, sondern ums Loslassen. Eine gute Hebamme kann dir anhand von Übungen zeigen wie man Verspannungen löst, die den Geburtsfortschritt behindern könnten.
Bereit für deine VBAC?
Eine vaginale Geburt nach Sectio ist kein Wagnis, das du blind eingehst. Es ist ein Weg, den du bewusst gehst – mit Wissen, mit emotionaler Klarheit und mit einem Körper, der vorbereitet ist.
Die Zahlen sprechen für sich. Die meisten Frauen können eine VBAC haben. Die Frage ist, wie gut du dich auf diesen Weg vorbereitest – auf allen drei Ebenen.
Wenn du Unterstützung dabei suchst: Genau dafür gibt es meinen VBAC-Kurs, persönlich und individuell. Denn du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Quellen: Bundesamt für Statistik Schweiz (BFS) 2023; Statistisches Bundesamt Deutschland (Destatis) 2023; Statistik Austria 2023; Medscape Deutschland – Interview Prof. Dr. Ulrich Gembruch; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Leitlinie Sectio caesarea S3, 2020.

