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Blog · 7. März 2026

Der Weg zur VBAC: Warum eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt mehr als nur eine Option ist

Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt? Darf ich es nochmal versuchen?

Wenn das zweite oder dritte Wunder unterwegs ist, kommen mit der Freude oft auch die Erinnerungen an die letzte Geburt zurück. Wenn diese in einem Kaiserschnitt endete, fragen sich viele Frauen in der Schweiz: Ist eine natürliche Geburt nach Kaiserschnitt überhaupt möglich?

Die kurze Antwort: In den meisten Fällen ja. Eine normale Geburt nach Kaiserschnitt ist für viele Frauen eine Option, die es sich lohnt, genau anzuschauen. Für die ausführliche Antwort gehen wir die Fragen durch, die mir in der Begleitung am häufigsten gestellt werden.

Was ist eine VBAC (vaginale Geburt nach Kaiserschnitt)?

VBAC steht für «Vaginal Birth After Caesarean» und bedeutet nichts weiter als eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt, also eine Spontangeburt nach Kaiserschnitt. Hin und wieder begegnet dir auch der Begriff TOLAC («Trial of Labour After Caesarean»). Er bedeutet, dass eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt versucht wird, also noch nicht vollendet ist.

Wie häufig ist ein Kaiserschnitt in der Schweiz?

Laut dem Bundesamt für Statistik kam 2024 in der Schweiz rund jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt (33,6 %). Mit dieser Erfahrung bist du also bei Weitem nicht allein.

Wie gross sind die Erfolgschancen einer VBAC?

Die britische Leitlinie des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG, 2015) hält fest, dass eine geplante VBAC in 72 bis 75 % der Fälle gelingt.

Das ist ein Durchschnittswert. Deine persönliche Chance kann davon abweichen, je nachdem, welche Voraussetzungen du mitbringst. Welche das sind, schauen wir uns als Nächstes an.

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Was beeinflusst die Chancen auf eine normale Geburt nach Kaiserschnitt?

Laut derselben Leitlinie ist eine frühere vaginale Geburt der stärkste günstige Faktor. Frauen, die schon einmal vaginal geboren haben, erleben in 85 bis 90 % der Fälle eine erfolgreiche VBAC.

Aus meiner Praxis kenne ich weitere Faktoren, die sich günstig auswirken können: eine gute Geburtsvorbereitung, eine vorteilhafte Kindslage, ein spontaner Wehenbeginn ohne Einleitung und eine Geburt ohne PDA. Das sind Erfahrungswerte, keine Garantien. Und wenn bei dir nicht alles zutrifft, heisst das nicht, dass es nicht klappen kann.

Auch der Geburtsort spielt eine Rolle. In einer grossen US-Auswertung zu geplanten Hausgeburten nach Kaiserschnitt lag die Erfolgsquote bei 87 % (Cox et al., 2015). Also etwas höher als bei Klinikgeburten. Jedoch raten die Leitlinien klar dazu, die VBAC in einer Klink durchzuführen, in welcher im Notfall ein Notkaiserschnitt durchgeführt werden kann. 

Narbe nach Kaiserschnitt und Uterusruptur: Wie gross ist das Risiko?

Davor haben die meisten Frauen am meisten Angst. Bei einer Uterusruptur (Gebärmutterriss) öffnet sich die Gebärmutter an der Narbe vom Kaiserschnitt. 

Die Leitlinie nennt für eine geplante VBAC ein Risiko von rund 1 zu 200 (0,5 %). Das heisst: Bei etwa einer von 200 Frauen kommt es zu einem solchen Gebärmutterriss, bei den übrigen nicht. Wie dieses Risiko für Mutter und Kind differenziert aussieht erfährst du ausführlicher in diesem Artikel: Geburt nach Kaiserschnitt und Uterusruptur.

Schwangerschaft nach Kaiserschnitt: Wie viel Abstand sollte zwischen den Geburten liegen?

Hier ist die Studienlage nicht eindeutig. Die Leitlinie führt einen Abstand von unter 12 Monaten als möglichen Risikofaktor auf. Sie zitiert aber auch eine Studie mit 3’176 Frauen, die dabei kein erhöhtes Risiko für schwere Komplikationen fand, wohl aber für eine Frühgeburt.

Unabhängig von der Studienlage gilt: Nach einem Kaiserschnitt wie auch nach einer vaginalen Geburt braucht der Körper Zeit, um sich zu erholen. Nach meiner Erfahrung ist ein Abstand von mindestens einem Jahr bis zur nächsten Schwangerschaft sinnvoll.

Welcher Geburtsort passt bei einer VBAC und welcher zu Dir?

Die Leitlinie empfiehlt eine Geburtsabteilung mit durchgehender Betreuung und Überwachung, in der jederzeit ein sofortiger Kaiserschnitt möglich ist. Dies ist in den meisten Spitälern mit Geburtsabteilung der Fall. Aber nicht alle Spitäler haben Erfahrung darin Geburten nach Kaiserschnitt zu begleiten und stehen auch dahinter.

Frag deshalb konkret nach, wenn du ein Spital anschaust:

  • Wie oft wird hier eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt begleitet?

  • Wie hoch ist Ihre Kaiserschnittrate?

  • Leiten Sie auch nach einem Kaiserschnitt ein?

  • Ist bei einer VBAC auch die Geburtswanne möglich?

Ein Gespräch mit dem Spital vor der Geburt zeigt dir schnell, ob dein Wunsch dort wirklich getragen wird.

Einleitung bei VBAC: Was ist möglich?

Ob das Risiko eines Gebärmutterrisses bei einer Einleitung steigt, hängst stark von der Methode ab. Klar ist jedoch, dass Einleitungen öfter in einem Kaiserschnitt enden als spontan gestartete Geburten.

Dennoch stehen viele Frauen vor der Frage: Einleitung oder direkt Kaiserschnitt? Somit wird wiederum die Chance auf eine vaginale Geburt durch eine Einleitung erhöht.
Eine bewährte Methode zur Geburtseinleitung für Frauen nach Kaiserschnitt ist der Ballonkatheter: ein kleiner Ballon, der zwischen dem Kopf des Kindes und dem inneren Muttermund langsam aufgepumpt wird, höchstens tennisballgross. Der Muttermund öffnet sich dabei auf mechanische Weise durch Druck.

PDA bei VBAC: Ist das möglich?

Ja. Die Leitlinie sagt, dass eine PDA bei einer geplanten VBAC nicht ausgeschlossen ist. Ein stark steigender Schmerzmittelbedarf während der Geburt soll aber aufmerksam machen. Wichtig sind dabei eine gute Überwachung und eine 1:1-Betreuung.

Und wenn es doch wieder ein Kaiserschnitt wird?

Rund jede vierte geplante VBAC endet wieder in einem Kaiserschnitt. Auch diese Frauen lesen diesen Text, oft erst danach.

Ein zweiter Kaiserschnitt ist kein Versagen deines Körpers und kein Zeichen, dass du dich nicht gut genug vorbereitet hast. Es geht nicht darum, eine natürliche Geburt um jeden Preis zu erzwingen. Es geht darum, dass du am Ende sagen kannst: «Ich war gut informiert, ich habe mich sicher gefühlt und ich habe mich schlussendlich für diesen Weg für mich und mein Baby entschieden.»

Normale Geburt nach Kaiserschnitt: Erfahrungen

„Meine Geburt nach Kaiserschnitt zu Hause war wie ein Geschenk, das die Mutter dem Kind und das Kind der Mutter macht. Meine Hebammen haben mir das Gefühl gegeben, selbstbewusster zu sein. In dieser Schwangerschaft habe ich geglaubt, dass ich es schaffen werde, und ich habe es geschafft! Ich habe eine völlig andere Geschichte erlebt!“

Geburtsvorbereitung nach Kaiserschnitt: Wie kann ich mich vorbereiten?

Drei Dinge helfen mir in der Begleitung immer wieder:

  • Wissen: Wenn du verstehst, was bei einer VBAC passiert, verliert das Thema «Narbe» seinen Schrecken.
  • Vertrauen: Das Vertrauen in den eigenen Körper muss oft erst wieder aufgebaut werden, besonders wenn die erste Geburt als belastend erlebt wurde.
  • Vorbereitung: Du kennst deine eigenen Fragen, kannst gut ins Gespräch mit dem Spital gehen und hast die letzte Geburt eingeordnet, wenn nötig auch mit Unterstützung aufgearbeitet.

Wie fange ich an?

Such frühzeitig das Gespräch mit einer Hebamme, die Erfahrung mit VBAC hat. Eine gezielte Geburtsvorbereitung, die speziell auf die Besonderheiten nach einem Kaiserschnitt eingeht, kann den Unterschied machen.

 

Quellen: