Jeder hat schon Schmerzerfahrungen in seinem Leben gemacht und jeder geht anders damit um. Doch die allermeisten Menschen halten die Luft an, wenn sie sich den Fuss stossen, und halten sich verkrampft die schmerzende Stelle. Der grosse Unterschied dem Wehenschmerz zu «normalem» Schmerz ist, dass der Wehenschmerz physiologisch ist. Er ist kein Warnzeichen. Nur so weit, dass die Frau weiss, dass die Geburt losgeht und sie sich bitte an einen sicheren, ruhigen Ort zurückziehen soll. Hier zehn Dinge, die bei der Wehenarbeit meiner Erfahrung nach extrem helfen.
1. Ausatmen, länger als einatmen
Die Wehe kommt, du atmest ein – und dann lang und hörbar aus, gern mit einem tiefen Ton. Der Ton hält den Kiefer locker. Während ein lockerer Kiefer den Beckenboden locker hält, wirkt ein entspannter Mund, entspannend auf den Muttermund. Also denke dran: Atme lang aus und entspanne dabei Kiefer und Mund. That’s it.
2. Bewegung
Gehen, Kreisen auf dem Ball, sich anlehnen, in die Hocke gehen. Alles, was das Becken bewegt, hilft dem Kind auf dem Weg nach unten. Man kann sich das so vorstellen: Wenn man einen engsitzenden Ring ausziehen möchte, dann bewegt man automatisch die Hand mit dem Ring hin und her. Einfach nur daran zu ziehen, hilft nicht viel. Genauso verhält es sich auch mit dem Becken und dem Kind unter der Geburt.
3. Wärme
Ein warmes Kirschsteinkissen im Kreuz, eine Wärmeflasche oder die warme Duschbrause auf den unteren Rücken gerichtet. Wärme entspannt die Muskulatur, die bei jeder Wehe arbeitet.
4. Wasser
Badewanne oder Dusche – für viele Frauen der grösste schmerzlindernde Faktor. Mehr dazu in meinem Beitrag zur Wassergeburt.
5. Aufrechte Positionen
Lass die Schwerkraft für dich mitarbeiten. Vierfüsslerstand, Stehen mit Stütze, in der Hocke, auf dem Hocker oder auf dem Ball sitzend. Nur bitte nicht auf dem Rücken liegend. Da arbeiten Kind und Schwerkraft gegeneinander.
6. Gegendruck
Zwei Fäuste oder die flachen Hände deiner Begleitperson fest ans Kreuzbein drücken. Bei Rückenwehen oft das Einzige, was hilft.
7. Zwischen den Wehen loslassen
Die Pause ist zum Entspannen und Kraft tanken da. Schultern fallen lassen, trinken, kurz die Augen schliessen. Wer in der Pause weiter anspannt, ist bei der nächsten Wehe schon müde.
8. Einen Anker setzen
Schon in der Schwangerschaft kannst du einen Anker für deine Geburt setzen. Ein Duft, ein Lied, ein Bild oder eine Berührung deines Begleiters. Durch Üben verbindest du deinen Anker direkt mit Entspannung, Wohlbefinden und Sicherheit. Wenn er dann unter der Geburt ausgelöst wird, kommen genau diese geburtsförderlichen Gefühle hoch. Das ist kein Esoterik-Trick, sondern ein Weg, die Aufmerksamkeit zu lenken.
9. Massage oder TENS Gerät
Oft haben die Frauen vor allem in der Kreuzgegend starke Rückenschmerzen während der Wehen. Da hilft entweder eine Kreuzbeinmassage oder dann das TENS-Gerät. Es arbeitet mit sanften elektronischen Impulsen, so werden die Muskeln in der Umgebung stimuliert und die Entspannung und Durchblutung gefördert. Dazu kommt, dass man das Schmerzzentrum im Gehirn mit diesen Impulsen austrickst und somit die Wehen als weniger schmerzhaft empfunden werden. (Gate-Control-Effekt)
10. Loslassen statt Kontrolle behalten
Und das ist wahrscheinlich der schwierigste Tipp. Aber zugleich auch der Wichtigste. Frauen, die absolute Kontroll-Freaks sind, haben es unter der Geburt viel schwieriger, denn beim Gebären geht es darum, vollkommen loszulassen und das willkommen heissen, was kommt. Hier stimmt das Sprichwort: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.» definitiv nicht.
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